Es gibt nicht den einen Weg, Kunst in der Bildung anzugehen. Unser Ansatz ist im Kern machtkritisch und antirassistisch und schließt Konzepte wie caring for conflicts / Bemühen um Konfliktlösungen, brave Spaces / mutiger Raum, Selbstfürsorge und Nachhaltigkeit mit ein. Wir glauben, dass die Rolle des/der Gastkünstler_in in der Bildung von großem Wert ist und ihre eigenen Herausforderungen mit sich bringt.

Sind Sie auf der Suche nach einem Leitfaden, der Ihnen hilft, Ihre Absichten, Grenzen und Ziele festzulegen, bevor Sie Schulen oder andere Lernkontexte betreten? Egal, ob Sie zum ersten Mal als Künstler_in im Bildungswesen tätig werden oder schon seit Jahren dort aktiv sind — dieser Leitfaden soll Ihnen dabei helfen, sich einzusetzen und zu planen, damit Ihre Wirkung an der Schule so ist, wie Sie beabsichtigen.

Wir haben diesen Leitfaden auf der Grundlage unserer kollektiven Erfahrung und Expertise erstellt – als Lehrer_innen, die an Schulen arbeiten und als Künstler_innen, die sie besuchen. Dieser Leitfaden soll zur Unterstützung von  Künstler_innen bei ihren Tätigkeiten in Schulen behilflich sein. Er wurde hauptsächlich im Zusammenhang mit der Arbeit in Berliner Schulen geschrieben und spiegelt diese Erfahrungen wider. Wenn Sie etwas zu diesem Leitfaden kommentieren oder hinzufügen möchten, schreiben Sie uns gerne an: info@mitkollektiv.de

Praktische Fragen

Geld

  • Welcher Honorarsatz pro Stunde? Beim ersten Mal 25 € / für Erfahrene 25 – 45 € Honorartarif.
  • Für 2 Stunden in der Schule, 60-95 / 100€ pro Person
  • Honorarsatz für eine Projektwoche 900 – 1500 €
    (LINK zu Arbeitsrecht / Honorarinfo)

Finanzierung

  • Zahlt die Schule?
  • Gibt es eine externe Finanzierung?
  • Haben Sie sich mit den Teilnehmenden zusammen beworben? – Falls ja: Alles gut.
  • Wenn nicht: Wie stellen Sie Transparenz in der Kommunikation her, um einen Interessenkonflikt zu vermeiden?
  • Was sind die Voraussetzungen der Förderung? (Zum Beispiel: Spezifische Themen, Zeitrahmen, Bezahlung konkreter Arbeitsstunden, Dokumentation, Anzahl der Teilnehmenden)

Verträge und Legalitäten

  • Haben Sie Ihren Vertrag? Wenn ja: Mit der Arbeit anfangen. Nein? Dann noch nichts unternehmen.
  • Haben Sie ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis? (Link)
  • Dürfen Sie rechtlich gesehen alleine mit den Teilnehmenden arbeiten?

Wer sind Ihre Arbeitspartner_innen?

  • Sind Sie Co-Leiter_in / Moderator_in oder sind Sie allein?
  • Arbeiten Sie alleine und würden lieber in einem Zweierteam im Raum arbeiten?

Ihre Optionen könnten so aussehen:

  • Wenn Sie sich mit der Lehrkraft an der Schule wohlfühlen, bitten Sie sie, im Raum zu bleiben, und / oder den Workshop auf eine Weise zu unterstützen, die für beide stimmig ist.
  • Gehen Sie wieder zum Geldgeber / zu der Schule und fragen Sie nach Finanzierung für zwei Künstler_innen.
  • Kürzen Sie den Workshop und teilen Sie das Honorar zwischen Ihnen und der Person, mit der Sie arbeiten möchten.
  • Falls Sie den Workshop alleine anleiten (müssen), planen Sie ein Konzept mit sehr begrenztem Risiko, lediglich mit Aktivitäten, die Sie sich zutrauen zu leiten und schon einmal geleitet haben. Halten Sie es einfach und besprechen Sie Ihren Plan mit einem_r Mentor_in durch.
  • Setzen Sie den Plan eines anderen Anbieters um oder arbeiten Sie für einen externen Träger?
  • Wenn ja: Wie viel Spielraum haben Sie, um den Plan zu ändern, je nachdem, was Sie beim Projekt wahrnehmen und für wichtig halten?

Die Schule

Schulregeln

Um Ihre teilnehmenden Schüler_innen nicht in Schwierigkeiten zu bringen, vergewissern Sie sich, dass Sie sie Folgendes kennen:

  • Die Regeln der Schule
  • Welche Regeln dürfen Sie ändern / sind verhandelbar und welche sind fest?

Raum

  • Welchen Raum werden Sie zur Verfügung haben?
  • Auch wenn Sie einen Raum reserviert haben, überprüfen Sie, ob Ihre Kontaktperson in der Schule die andere relevante Personen dort informiert hat.
  • Wenn es sich um einen gemeinsam genutzten (Mehrzwecks-) Raum in der Schule handelt, vergewissern Sie sich, dass er zu der geplanten Zeit für Ihren Projekt verfügbar ist.
  • Um Doppelbuchungen zu umgehen, fragen Sie den/die Klassenlehrer_in. Diese Person könnte einen Überblick haben über welche Räume am wenigsten gestört oder doppelt belegt werden könnten. Oft ist dieser Raum ihr eigenes Klassenzimmer.
  • Wenn es ein gemeinsam genutzter Raum ist, seien Sie darauf vorbereitet, in letzter Minute umziehen zu müssen. Für diesen Fall sollten Sie Ihre Workshop-Materialien mobil und einsatzbereit halten.
  • Gibt es einen Außenbereich, in den Sie Ihren Workshop bei Bedarf verlegen könnten?
  • Wo dürfen Sie nicht hingehen, welche Orte sind innerhalb und außerhalb der Schule tabu?

Pausen

  • Erkundigen Sie sich über die regelmäßigen Schulpausen?
  • Wer ist während der Pausen für die Teilnehmenden verantwortlich?
  • Um sicherzustellen, dass Sie auch eine Pause bekommen: Erwägen Sie, sich an die Schulpausen zu halten, da die Schüler_innen dann gesetzlich verpflichtet sind, von der Schule beaufsichtigt zu werden.
  • Wenn Sie eine neue Pausenzeit innerhalb des Schultages einführen, vereinbaren Sie, wer für die Teilnehmenden während dieser Zeit verantwortlich ist.

Bedenken Sie, dass Sie in ein gut etabliertes System eintreten. Entscheiden Sie bewusst, auf welche Änderungen Sie Ihre Energie verwenden wollen. Dem Pausensystem der Schule zu folgen, ist vielleicht nicht ideal für Ihren Plan. Alle Beteiligten jedoch um zusätzliche Arbeit zu bitten, um einem anderen Zeitplan zu folgen, wäre vielleicht nicht das Ziel, auf das Sie den Fokus legen wollen.

Essen, Mittagessen / Brotzeit

Hungrige Menschen können sich nicht auf Ihren Workshop konzentrieren, also bevor Sie planen, bitte bedenken Sie:

  • Wann sind die Mittagspausen?
  • Muss ich den Ablauf für Mittagessen oder Brotpausen organisieren?
  • Bringen die Teilnehmenden ihr Essen selbst mit?
  • Sollten Sie Essen für diejenigen mitbringen, die es nicht haben / vergessen?

Barrierefreiheit und Brave Spaces

  • Welche Bedürfnisse gibt es, die vor dem Treffen mit den Teilnehmenden angesprochen werden müssen? Wie können diese Informationen zugänglich gemacht werden?
  • Nennen Sie der Lehrkraft deutlich, welche Informationen Sie benötigen bzw. Ihnen noch fehlen, um Hindernisse zu reduzieren.
  • Zum Bedenken: Die Anreise zum Ort des Workshops – Was passiert, wenn Sie den Raum betreten, in dem der Workshop statt findet? – Besondere Bedürfnisse und Sprachen der Teilnehmenden sowie deren Alter und Aufmerksamkeitsspanne.
  • Bieten Sie differenzierte Möglichkeiten, Unterstützung und Raum für Fürsorge um Konflikt an (Link zu Ressourcen und Methoden). Sprechen Sie sich mit der Lehrkraft über die unterschiedlichen Bedürfnisse der Schüler_innen ab und bitten Sie ggf. um  deren Unterstützung.
  • Denken Sie an Ihre Arbeitskontakte, die Sie beim Anbieten eines brave spaces gut ergänzen oder unterstützen könnten (Link zur Audio-Erklärung).
  • Wie schaffen Sie am ersten Tag Vereinbarungen?

Wenn Sie am ersten Tag Vereinbarungen treffen, sorgen Sie für ein gemeinsames Verständnis über Fragen wie: Wie werden Sie mit der Gruppe zusammenarbeiten? Was braucht jede_r, um das Gefühl zu haben, dass er_sie sich beteiligen kann? Was passiert, wenn jemand eine Frage oder ein Problem hat?

  • Welche Rolle wollen Sie einnehmen? Moderation, Lehrkraft, Leiter_in, Mitforscher_in?
  • Wie könnte sich Ihre Identität auf die der Schüler_innen auswirken, wenn Sie vor die Gruppe treten?
  • Welche Reaktionen könnten kommen, wenn Sie den Raum betreten?
  • Kennen sich die Teilnehmenden untereinander?
  • Welche Sprachen sprechen alle Beteiligten?
  • Siehe Fragen zur Barrierefreiheit.
  • Was tun Sie, um zu differenzieren? Wenden Sie sich mit offenen Fragen an die Lehrkraft oder Ihr Netzwerk.

Die Zusammenarbeit mit den Teilnehmenden

  • Wie viele Personen sollen teilnehmen?
    Für wirklich prozessorientierte Workshops sind 12 Teilnehmende eine gut geeignete Zahl, abhängig von deren Alter und den Methoden, bzw. dem Medium, mit dem Sie arbeiten. Bei Gruppenzahlen, die größer als 12 sind, sollten Sie überlegen, ob Sie prozessorientiert arbeiten können. Sprechen Sie am besten transparent mit den Teilnehmenden und der Lehrkraft über Ihre Vorgehensweise.
  • Wie alt sind die Teilnehmenden?
  • Haben sie sich diesen Workshop ausgesucht oder werden sie von der Schule dazu verpflichtet?
  • Seien Sie sich vorher darüber im Klaren, wer die Gruppen zusammenstellt und wie.
  • Haben die Teilnehmenden ihre erste Wahl bekommen?
  • Welche Sprachen sprechen sie?
  • Was sind ihre Bedürfnisse in Bezug auf Barrierefreiheit?
  • Überlegen Sie, wie Sie ihnen diese Fragen stellen.
  • Welche Informationen brauchen die Teilnehmenden, bevor sie anfangen?

Die Zusammenarbeit mit der Lehrkraft

  • Wie möchte bzw. kann die Lehrkraft einbezogen werden?
  • Falls Sie mit der Klasse allein sein dürfen, rechtlich gesehen, will die Lehrkraft eine Pause?
  • Wollen sie Sie in ihrer Schule haben?
  • Wollen Sie, dass die Lehrkraft im Raum ist?
    Wenn ja, was muss sie dafür wissen? Was ist ihre Rolle?
  • Sprechen Sie über die Möglichkeit, dass die Lehrkraft ihre Schüler_innen von außen zu beobachten, um eine neue Perspektive zu gewinnen.
  • Klären sie vorher, wer wofür verantwortlich ist (d.h. Klassenraum-Management, Verhalten, Materialien, Pausen, Workshop-Inhalte).

Sie könnten z.B. sagen: „Wenn ich Hilfe beim Verhalten der Schüler_innen benötige, werde ich direkt fragen”, oder umgekehrt: „Bitte springen Sie ein und unterstützen Sie mich, wenn Sie sehen, dass die Schüler_innen meinen Anweisungen nicht folgen.”

  • Sprechen Sie über Verhaltensnormen und was Sie beide davon erwarten —vor allem dann, wenn Sie möchten, dass die Teilnehmenden sich anders ausdrücken können als während der “normalen Schule”.
  • Wie ist die Beziehung der Lehrkraft zu den Schüler_innen?
    – Diese Dynamik ist unmöglich zu durchbrechen, wenn die Lehrkraft anwesend ist. Entweder arbeiten Sie mit ihr, nutzen Sie sie, beziehen Sie sie mit ein oder (falls legal) bitten Sie sie, beim Projekt nicht im Raum zu sein.
    – Eine Kompromisslösung wäre, ihr die Rolle eines stillen Beobachters anzubieten. Wenn sie damit einverstanden ist, kann eine Diskussion am Ende des Tages über ihr Beobachtungen unglaublich nützlich sein (je nach Lehrkraft)

Planen Sie gut Zeit dafür ein, um dies auszuhandeln und eine Vereinbarung zu finden, der für beide funktioniert.

  • Wie möchte bzw. kann die Lehrkraft einbezogen werden?
  • Falls Sie mit der Klasse allein sein dürfen, rechtlich gesehen, will die Lehrkraft eine Pause?
  • Wollen sie Sie in ihrer Schule haben?
  • Wollen Sie, dass die Lehrkraft im Raum ist?
    Wenn ja, was muss sie dafür wissen? Was ist ihre Rolle?
  • Sprechen Sie über die Möglichkeit, dass die Lehrkraft ihre Schüler_innen von außen zu beobachten, um eine neue Perspektive zu gewinnen.
  • Klären sie vorher, wer wofür verantwortlich ist (d.h. Klassenraum-Management, Verhalten, Materialien, Pausen, Workshop-Inhalte).

Sie könnten z.B. sagen: „Wenn ich Hilfe beim Verhalten der Schüler_innen benötige, werde ich direkt fragen”, oder umgekehrt: „Bitte springen Sie ein und unterstützen Sie mich, wenn Sie sehen, dass die Schüler_innen meinen Anweisungen nicht folgen.”

  • Sprechen Sie über Verhaltensnormen und was Sie beide davon erwarten —vor allem dann, wenn Sie möchten, dass die Teilnehmenden sich anders ausdrücken können als während der “normalen Schule”.
  • Wie ist die Beziehung der Lehrkraft zu den Schüler_innen?
    – Diese Dynamik ist unmöglich zu durchbrechen, wenn die Lehrkraft anwesend ist. Entweder arbeiten Sie mit ihr, nutzen Sie sie, beziehen Sie sie mit ein oder (falls legal) bitten Sie sie, beim Projekt nicht im Raum zu sein.
    – Eine Kompromisslösung wäre, ihr die Rolle eines stillen Beobachters anzubieten. Wenn sie damit einverstanden ist, kann eine Diskussion am Ende des Tages über ihr Beobachtungen unglaublich nützlich sein (je nach Lehrkraft)

Planen Sie gut Zeit dafür ein, um dies auszuhandeln und eine Vereinbarung zu finden, der für beide funktioniert.

Berücksichtigen Sie bei der Planung des Workshops:

Prozess und Ergebnis

  • Welche Kenntnisse / Erfahrungen haben die Teilnehmenden bereits?
  • Welche Art von Prozess passt am besten zu Ihren Teilnehmenden und zu den Methoden, Themen und Kunstformen, mit denen
  • Sie arbeiten wollen? (Link zu Beispielen)
  • Wie offen sind Sie bezüglich des Ergebnisses?
  • Betreiben Sie gemeinsame Forschung mit der Gruppe?
  • Erhoffen Sie, die Kunst, die Sie mit den Teilnehmenden in der Schule schaffen werden, in anderen Kontexten zu zeigen?
  • Haben Sie die Zustimmung der Teilnehmenden dazu? Wenn ja, wie wollen sie öffentlich anerkannt werden?
  • Räumen Sie ausreichend Reflexionszeit am Ende und / oder nach dem Projekt ein.

Inhalt

  • Was für ein Erlebnis wünschen Sie sich?
  • Was sind Ihre Ziele und Fragen, die Sie zu Beginn des Workshops formulieren?
  • Welche Kunstformen und Methoden sind sinnvoll?
  • Wen könnten Sie einladen, um Methoden / Techniken anzubieten, in denen Sie nicht bewandert sind?
  • Gibt es Fragen bzw. Themen, die die Schule, die Teilnehmenden, Sie oder der Geldgeber ansprechen wollen bzw. müssen?
  • Gestalten Sie den ersten Tag, um alle Ihnen noch fehlende Informationen zu sammeln und um sich gegenseitig kennen zu lernen. (Link zu Beispielen)
  • Planen Sie immer Zeit ein, um gemeinsam aufzuräumen.

Dokumentation

  • Wird eine Dokumentation benötigt (denken Sie an Fördergelder/Finanzierung)?
  • Wenn ja, haben Sie die notwendigen Einverständniserklärungen für die Teilnehmenden?
  • Wer macht die Dokumentation? Wie wird dokumentiert?
  • Erwägen Sie, am ersten Tag eine Vereinbarung mit den Teilnehmenden über Dokumentation zu treffen. Einverständnisse über Fotos, etc. könnten sie im Verlauf während des Projekts besprechen.